BAVARIA FRAUEN MIT KANTERSIEG GEGEN COSWIG IN DER 2. BUNDESLIGA OST UND VERPASSEN SENSATION GEGEN DEN TABELLFÜHRER PANKOW AUS BERLIN

Am letzten Wochenende empfingen wir mit unserem Frauen Team die Mannschaften von Rotation Pankow (Berlin), Zeulenroda (Thüringen) und Coswig (Sachsen) zum Doppelspieltag in der 2. Frauen Bundesliga Ost. Nach einem holprigen Saisonstart mit einem Sieg und zwei Niederlagen stand unser Team unter Druck. Punkte waren dringend notwendig, sollte der angestrebte Klassenerhalt nicht in Gefahr geraten. Zumindest gegen Coswig rechneten wir uns gute Chancen aus, während gegen den bisher verlustpunktfreien Tabellenführer aus Berlin ein Punktgewinn eine große Überraschung gewesen wäre. Schlechte Nachrichten gab es dann ein paar Tage vor den beiden Wettkämpfen, da sich mit Christina Leuchsenring eine bewährte Stammspielerin mit einer Coronainfektion in häusliche Quarantäne begeben musste und auch bei Liliane Pavlov es nicht sicher war, ob sie sich rechtzeitig würde freitesten können.

Samstag, 19.03.2022

Bavaria Regensburg – Coswig 1920 5:1

Groß war die Anspannung vor dem Mannschaftskampf gegen die überraschend stark in die Saison gestarteten Sächsinnen. Ein Sieg war auf Grund der Tabellensituation schon fast Pflicht. Lange Zeit stand das Geschehen auf des Messers Schneide. Nach gut drei Stunden Spielzeit war noch an keinem der sechs Bretter eine Entscheidung gefallen. Doch dann entwickelte sich das Geschehen rasant.

Als erste remisierte unsere junge erst 14jährige Nachwuchsgastspielerin Siri Marleen Prinzen. Lange Zeit hatte die Münchnerin vom SK Tarrasch München das Heft des Handelns in ihrer Hand, konnte letztendlich aber ihre kleinen Stellungsvorteile nicht zum Sieg nützen. Auch Katerina Palkova gelang nicht der volle Punktgewinn. Sie hatte mutig einen Bauern geopfert und einen starken Königsangriff gestartet. Ihre Gegnerin verteidigte sich jedoch zäh und so musste Katerina mit der Punkteteilung zufrieden sein.

Die restlichen vier Partien blieben bis zum Schluss hart umkämpft. Als dann jedoch unsere Spitzenspielerin Steffi Arnhold mit einem sehenswerten Damenopfer ihre Gegnerin überraschte, war die Kampfmoral der Coswiger Frauen gebrochen. Steffi hatte ein Remisangebot abgelehnt und in einer komplizierten Mittelspielstellung den schwer vorauszuberechnenden Gewinnweg gefunden. Ihre Gegnerin wehrte sich zwar noch einige Züge, musste dann jedoch ihre Niederlage eingestehen.

Stellung nach dem 26. Zug von Weiß aus der Partie Dr. Karin Timme (2082 / Coswig) – Steffi Arnhold (2100 / Bavaria Rgbg). Steffi opferte mit ihrem 26. …Dxd4! ihre Dame. In der Partie folgte dann:


Auch Jana Bardorz und Sophia Wetzler hatten sich lange der Attacken ihrer Gegnerinnen erwehren müssen. Zwischenzeitlich war bei beiden Partien jedes Ergebnis denkbar. Doch nachdem Steffi die Bavarianerinnen in Führung gebracht hatte, mussten die Sächsinnen höheres Risiko gehen, um die noch laufenden Partien zu ihren Gunsten zu wenden. Mit der Führung im Rücken gewann das Spiel der Regensburgerinnen dagegen zusehens an Sicherheit und Jana und Sophia gewannen ihre Partien. Beide zermürbten dabei ihre Gegnerinnen mit ihrem zähen Widerstand. Beim Zwischenstand von 4:1 war das Match entschieden und der Mannschaftssieg gesichert. Zum Schluß überraschte Marie Oberhofer ihre Gegnerin mit einem Grundreihenmatt und gewann auch noch die letzte Partie.

Beeindruckend war, dass die Bavarianerinnen auch in kritischen Phasen des Mannschaftskampfes nicht nervös wurden und mit großem Einsatzwillen den am Ende unerwartet hohen Sieg gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt erzwangen.

Sonntag, 20.03.2022

Rotation Pankow – Bavaria Regensburg 3,5:2,5

Bereits im Vorfeld zu diesem Kräftemessen mit den Aufstiegsfavoritinnen aus Berlin hatten Entscheidungen des bayerischen wie oberpfälzer Schachverbands für gehörigen Frust bei unserem Frauenteam  gesorgt. Obwohl die Termine der Frauen Bundesligen lange schon fest standen, legten die Verbände bei der Neueinteilung nach monatelangem Corona bedingten Stillstand im Ligabetrieb, einen ihrer neu eingeteilten Termine genau auf diesen eigentlich für die Frauenligen reservierten Termin. Da bei den Frauenteams in den Schachligen Gastspielerinnen aus anderen Vereinen zum Einsatz kommen dürfen, standen diese und auch alle anderen Spielerinnen nun vor der Wahl, ihre Frauenteams zu unterstützen oder für ihre Heimatvereine im allgemeinen Spielbetrieb an den Start zu gehen. Eine skandalöse Entscheidung der Schachverbände, die sich sonst – leider in diesem konkreten Fall scheinbar nur plakativ – die Förderung des Frauenschachs auf ihre Fahnen schreiben.

Unter diesen Umständen musste unser Team im Kampf mit den Tabellenführerinnen aus Berlin auf drei bewährte Stammkräfte verzichten. Trotz dieser widrigen Umstände wäre den stark ersatzgeschwächtem Bavarianerinnen fast eine Sensation geglückt. Die Berlinerinnen waren in Bestbesetzung angereist. Fünf der sechs Spielerinnen wiesen internationale Schachtitel auf. Vier Internationale Frauenmeisterinnen (WIM) und eine Frauen FIDE-Meisterinn saßen uns an den Brettern gegenüber.

Beflügelt von ihrem Sieg am Vortag, ließ Steffi Arnhold ihrer bisher ungeschlagenen Berliner Konkurrentin nicht den Hauch einer Chance und kam zu einem überzeugenden Sieg und egalisierte damit die Niederlage von Eva Schilay. Doch die Zuschauer rieben sich in den folgenden Stunden zunehmend verwundert die Augen, da es den Bavarianerinnen gelang den schier übermächtigen Gegnerinnen Paroli zu bieten. Als dann unser Jüngste, Siri Marleen Prinzen, mit einem überzeugenden Sieg die Niederlage der gerade von einer Coronainfektion genesenen Liliane Pavlov zum Zwischenstand von 2:2 egalisierte, wuchs die Nervosität bei den Berlinerinnen sichtbar. Johanna Dechant und Marie Oberhofer fighteten am Ende um einen Punktgewinn. Während Marie mit dem Rücken zur Wand sich gegen ihre Niederlage stemmte, hatte Johanna sich Vorteile erkämpft. Nach vier Stunden Spielzeit belohnte sie sich nicht für ihren großartigen Kampf. Eine kleine Unachtsamkeit gestattete der Berlinerin Gegenspiel, das Johanna nicht mehr parieren konnte. Damit war auch das hart erkämpfte Unentschieden von Marie letzendlich leider nur noch Ergebniskosmetik.

Fazit und Ausblick

Vor dem abschließenden Doppelspieltag Mitte April in Leipzig hat unser Frauenteam alle Möglichkeiten selbst in der Hand, sich erneut den Klassenerhalt in der 2. Frauen Bundesliga Ost zu sichern. Gegen die beiden dort heimischen Leipziger Teams reicht ein Sieg zum sicheren Klassenverbleib. Bleibt nur zu hoffen, dass dann das allgegenwärtige Damoklesschwert Coronainfektion unser Team verschont.

Unter folgendem Link findet ihr weitergehende Informationen.

https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=fb21