BAVARIA FRAUEN FEIERN FULMINANTE SIEGE IN NÜRNBERG GEGEN MAINZ UND GERNSHEIM

4,5:1,5 GEGEN MAINZ / 5:1 GEGEN GERNSHEIM

„Was für ein geiler Tag“, meinte Christina Leuchsenring, nachdem sie mit ihrem Remis soeben den entscheidenden halben Punkt zum zweiten Sieg unseres Teams an diesem Doppelspieltag der 2. Frauen Bundesliga Süd gegen das Team aus Gernsheim erkämpft hatte. Dabei schien die Ausgangslage vor diesen beiden für den Ligaverbleib vorentscheidenden Matches gegen direkte Konkurrentinnen keineswegs rosig. Gebeutelt von zahlreichen Ausfällen und Absagen reiste unser Team mit gemischten Gefühlen nach Nürnberg. Unsere Zuversicht wuchs, als wir kurz vor Spielbeginn am Samstag die Mannschaftsaufstellung unseres ersten Gegners, des TSV Schott Mainz, erfuhren. Die Mainzerinnen traten ohne ihre beiden Spitzenspielerinnen, eine tschechische Frauen Großmeisterin (WGM) und eine Frauen FIDE Meisterin (WFM) aus Estland gegen uns an. Beide hätten mit Wertungszahlen jenseits der Grenze von 2200 DWZ dem Team aus Mainz klar die Favoritenrolle zugewiesen. Doch nun fassten wir Mut. An den beiden Spitzenbrettern schienen nunmehr die Chancen annähernd gleich verteilt. Während an den Brettern 3 und 4 die Mainzerinnen auf Grund ihrer etwas höheren Wertungszahlen Vorteile verbuchten, kehrte sich dies auf den letzten beiden Brettern zu unseren Gunsten um. Und das Spielglück war an diesem Tag auch auf unserer Seite. Mitentscheidend für unseren letztendlich deutlichen 4,5:1,5 Sieg war die Partie von Sophia Wetzler an Brett 4. Ihre Gegnerin griff von Anfang an beherzt an und beengte mit weit vorgeschobenen Bauern Sophias Aktionsradius beträchtlich. Nach einem Bauerngewinn und dem Eindringen der  Dame schien für den neutralen Beobachter die Entscheidung zu Gunsten der Mainzerin gefallen. Doch offenkundig unvorsichtig im Gefühl  des scheinbar sicheren Sieges übersah sie die Gefährdung ihrer Dame und musste diese, nachdem Sophia alle Auswege für die Königin blockieren konnte, ebenso wie den schon sicher geglaubten Sieg verloren geben. Elsbeth Horther-Schneider, die erst tags zuvor von ihrer Nominierung für unser Team erfahren hatte, verhinderte mit einem frühzeitigen Damentausch die Rochade ihrer Gegnerin. Ihre daraus resultierenden Stellungsvorteile nutzte sie schlussendlich nach harnäckiger und langer Gegenwehr ihrer Konkurrentin zum vollen Punktgewinn. Auch alle anderen Partien waren hart umkämpft. Jana Bardorz schaffte am Spitzenbrett eine Punkteteilung, wie auch Marie Oberhofer, die mit einem Dauerschach die Partie beendete. Den vollen Punktgewinn erzielte Christina Leuchsenring. Der Verzicht auf die Rochade wurde dabei ihrer Gegnerin zum Verhängnis. Unser Sieg stand bereits fest, als Liliane Pavlov in der letzten noch laufenden Partie in einem Turmendspiel mit einem Mehrbauern das Remisangebot ihrer Gegnerin akzeptierte und ihre durchaus vorhandenen Siegchancen nicht mehr am Brett suchte.

Mit diesem enorm wichtigen Sieg gegen direkte Konkurrentinnen im Kampf um den Klassenerhalt hatten wir unsere Zielsetzung, aus Nürnberg mit mindestens einem Punktgewinn wieder abzureisen, bereits erreicht. Dies nahm unserem Team viel Druck vor dem zweiten Spiel tags darauf gegen Gernsheim, die wohl nominell stärker einzuschätzen waren als die Mainzerinnen.

von links: Elsbeth Horther-Schneider, Sophia Wetzler, Siri Marleen Prinzen, Marie Oberhofer, Jana Bardorz, Christina Leuchsenring

Foto: Peter Oberhofer

Es gibt Tage, da läuft alles wie geschmiert. Einen solchen Tag erwischte unser Team am Sonntag. Die Spielerinnen von SK 1980 Gernsheim waren unserem Team an allen Brettern nominell leicht überlegen. Aber getragen von den positiven Gefühlen vom Sieg gegen Mainz ließ unser Team den Gernsheimerinnen nicht den Hauch einer Chance. Nach ungefähr 3 Stunden Spielzeit konnten binnen weniger Minuten Jana Bardorz, Marie Oberhofer und Elsbeth Horther-Schneider mit ihren Siegen eine für uns unglaubliche 3:0 Führung erzielen. Jana zerstörte mit einem sehenswerten Opferangriff auf de gegnerische Rochadestellung jegliche Verteidigungsressourcen ihrer Kontrahentin und zwang sie zur Aufgabe. Marie bestrafte die von ihrer Gegnerin unterlassene Rochade mit einer spielentscheidenden Fesselung. Figurenverlust oder Matt, Maries Gegnerin entschied sich für die Aufgabe. Auch Elsbeth profitierte vom Verzicht ihrer Gegnerin auf die Rochade. Nachdem sie den Schwerfigurenangriff auf ihren König über eine halb offene Linie pariert hatte, nutzte sie die von ihrer Gegnerin unvorsichtigerweise geöffnete Linien zum finalen Angriff. Unsere Freude war groß, als Christina Leuchsenring mit einem Remis unseren Sieg sicherte. Ihre Gegnerin war bereits nach 20 Zügen mit nur noch 60 Sekunden auf der Uhr in extremer Zeitnot und konnte in einer komplizierten Stellung Christinas Remisgebot nicht widerstehen. Auch Sophia Wetzlers Gegnerin gab schließlich sichtlich genervt ihre aussichtslose Stellung verloren. Mit einem Figurenopfer hatte die Gernsheimerin den Angriff auf Sophias Rochadestellung gestartet, aber zerbrach schließlich an Sophias hartnäckiger und zäher Verteidigung. Da unser Sieg bereits feststand und wir alle in Feierlaune waren, begnügte sich Siri Marleen Prinzen trotz ihrer leicht besseren Endspielposition mit einer Punkteteilung.

In keiner unserer zwölf Partien musste unser Team an diesem Wochenede eine Niederlage hinnehmen. Sieben Siege und fünf Unentschieden – eine beeindruckende Bilanz! Dieser Doppelschlag mit zwei eminent wichtigen Mannschaftssiegen verschafft unserem Team ein deutliches Polster von vier Punkten vor dem ersten Abstiegsplatz. Nach einer nun fast dreimonatigen „Winterpause“ geht es dann Mitte Februar weiter. Wir erwarten dann zum bayerischen Derby das Frauenteam vom SK Noris Tarrasch Nürnberg. Die Nürnbergerinnen konnten sich an diesem Wochenende mit einem Sieg und einem Unentschieden auch etwas Luft im Abstiegskampf verschaffen.

Unter folgendem Link zum Ergebnisdienst des Deutschen Schachbundes 

https://ergebnisdienst.schachbund.de/bedh.php?liga=fb23

 findet ihr wieder alles Wissenswerte und in Kürze auch die Partien.

Bitter war trotz aller Freude über die Erfolge unseres ersten Frauenteams, dass wir das zeitgleich stattfindende Spiel unserer zweite Mannschaft in der Frauen Regionalliga Süd gegen Forstenried wegen akuten Mangels an spielbereiten und spielwilligen Akteurinnen absagen mussten.

 

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