SC Bavaria 4 – TSV Kareth/Lappersdorf 3

Am 01.03.2020 war unsere Vierte am 6. Spieltag der Bezirksliga Süd zu Gast bei der 3. Mannschaft des TSV Kareth Lappersdorf. Aufgrund eines krankheitsbedingten Ausfalls mussten wir leider auf eine wichtige Kraft unseres Teams verzichten, welche aber durch ihren Einsatz in unserer „Dritten“ entscheidend beitragen konnte! (Siehe Bavaria 3 – Post Süd 2)

Die Tabellensituation vor diesem Spieltag verspricht uns eine etwas unverdient spannende aber erfreulicherweise initiativreiche  Endphase in dieser Saison! Mit einem Spiel mehr, aber dafür auch mit jeweils einem, bzw. 3 Punkten Abstand auf unsere 2 Nichtabstiegskonkurrenten Parsberg und Regensburger Turnerschaft 2 haben wir es noch zweimal in der eigenen Hand, zumal wir gegen die erstgenannten an unserem letzten Spieltag spielen werden ( gefolgt von unserer dritten Mannschaft!) und RT 2 noch eine für sie sicherlich immens schwere Aufgabe gegen Post Süd 2 vor sich haben..

Brett 8     Valentin Schuler (1309) – UNBESETZT      Dieses Brett blieb von unserer Seite unbesetzt da wie anfangs erwähnt zwischen Mannschaft 3 und 4 kurzfristig umstrukturiert werden musste. + / –


 
Brett 7     Siegfried Klimpel (1663) – Sara-Marie Hauner (1263)
Am nächsten Brett folgt jedoch gleich die positive Nachricht über den Einsatz  von Sara-Marie Hauner! In Zeitnot höchst kämpferisch und zudem schon über die Partielänge hinweg mit gutem Schach aufspielend, ging Sara im schottischen Vier Springer Spiel (1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.Sc3 Sc6 4.d4)  gleich offensiv mittels großer Rochade und Springer-Pin zu Werke.
Nachdem der Lappersdorfer Routinier mit einem taktischen Springerzug seine gedrückte Lage verbessern konnte, verlor die Anziehende keine Zeit und nahm erneut Raum mit Vorstoßenden Bauernzügen nach f4 und e5 ein. Klimpel antwortete mit korrektem Gegenspiel am Damenflügel durch zusätzliches Eindringen seines Springers nach f5. Nach beständig vorteilhafter Verteidigung von Weiß, wollte der Nachziehende aber zu viel!

 Wir schreiben den 28. Zug in folgender Stellung:

Mit der gespielten Idee, durch angefragten Abtausch eines Turmpaars auf c8 eine zusätzliche Aktivität im Angriffsspiel gegen den Weißen Monarchen zu bekommen, verwarf Schwarz technisch gesehen die gesamte Partie! Denn nach 29. Txc8 Txc8 30. Sxd4! Verbleibt dem Kontrahenten früher oder später nur ein Schwerfigurenendspiel mit Minusbauer + labilem e6. Die Maschine spricht somit hier mit knapp +3 deutliche Worte!
Sara entschied sich jedoch für 29.Txd4 – was auf dem ersten Blick die gleiche materielle Ausgangslage bescheren kann, aber leider nun spielbares Sd5 zulässt und Schwarz somit deutlich mehr Kontrolle über das Geschehen einbringt. Das Ende dieser spannenden Endphase war nach präziser Abwicklung ein schwarzes Dauerschach, welches ein Remis letztendlich erzwang.
In einer Partie von 400 DWZ Punkten Unterschied, welche Sara nie Ansatzweise in eine Verluststellung brachte und ganz im Gegenteil über 80% ihrer Züge seitens des Computers als Vorteilhaft interpretierte, zeigte sich die Leistung der Jugendspielerin deutlich und zeugte von starkem Spielverständnis!  ½ – ½

 
An Brett 6 Florian Häusler – Norbert Kiener (1508) und Brett 4 Jürgen Rohrwild (1862) – Sophia Wetzler (1695) ereilte unseren Spielern ein ähnliches Schicksal: Sowohl Norbert als auch Sophia hatten, so wie sie es beide geäußert hatten, keinen schachlichen Glanztag und mussten sich in sich relativ früh ungünstig entwickelnden Lagen bereits mit einer Verluststellung anfreunden, welche bei beiden früher oder später zur Niederlage führte. Beide können es wesentlich besser, das wissen sie auch selbst, darum lassen wir diesmal die Berichterstattung jener „Formtief-Partien“ außen vor 😉   


Brett 5    Artur Steinhauer (1521) – Anita Zwetz (1764)
Im abgelehnten Damengambit (1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6..) brachte Artur strategische Argumente wie frühes Lb5 – mit dem angenehmen Effekt eine Bindung des schwarzen Aufbaus an nun zu spielendem a6 oder c6 zu erreichen, welches das Angriffstempo des Nachziehenden trotz Läuferrückzug minimal reduziert –  oder später auf Se5 folgendes f4 – wodurch den Kontrahenten nach beiderseitig 25 fehlerfrei gespielten Zügen ein sich auf den Königsflügel reduziertes Abtausch-Spiel des Turmpaares verblieb und Weiß somit durch Offensivkraft auf den Königsflügel spielgestaltend wirkte!

 Ein von Feinheiten bestimmtes Spiel fand auch auf Grund einer solchen eine spielentscheidende Richtung:

Nach 28.a4 steht Weiß vor einem chronischen Problem – er wird in dieser Partie keine aktive Kompensation mehr finden! Denn anstelle des hier unscheinbar notwendigen 28.bxc4! welches nicht nur die schwarze Bauernkette zersprengt, sondern auch das Potential besitzt, den, durch die am Damenflügel aktiv waltende weiße Dame, verbleibenden A Bauern zu einer entscheidenden Kompensationsfigur zu machen, muss der Anziehende nun bei geklärter Situation am  Damenflügel mit vordringender Dame nach e4 und (was Zwetz in der Partie womöglich unterschätzt oder übersehen hatte) einer Aktivierung des Läufers auf der b8 – h2 Diagonale durchgehend gegen die drohende Niederlage ankämpfen.
Dass die Nachziehende die bald darauf gut herausgespielte Gewinnstellung, mit der Entscheidung in ein Damen + ungleichfarbige Läufer –Endspiel zu münden, damit fast vollständig wieder in die Remis – Breite brachte, war leider kein Glück mehr für Artur. Denn womöglich aufgrund der psychologisch sicherlich zusetzenden Endspielphase für den Anziehenden, vergriff sich unser aktuell im Jugendbereich erfolgreich aufspielendes Teammitglied in den letzten Zügen, was zum Verlust der Dame und zur Aufgabe der Partie führte.
Wie schon so oft glänzte Artur über die Eröffnungs- und Mittelspielstrecke mit sicherem und diesmal merklich ideenreichem positionellem Spiel, und musste sich dann durch seine erste und letztendlich auch einzig wirkliche Fehlentscheidung der Partie bei turbulenter Schlussphase geschlagen geben. 0 : 1

 

Brett 3: Helmut Blank (1620) – Christian Enders (1699)
Eine Partie die in ihrem Ausdruck nicht kontroverser verlaufen hätte können, entstand in der Caro-Kann Vorstoßvariante (1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5), als Schwarz eine wahrliche „Eröffnungsdemonstration“ hinlegte, indem er Helmuts zum Teil nur leicht ungenaue Anfangsaufstellungsfolge Zug für Zug in eine für den Anziehenden unangenehme, bis hin zu einer bedeutend nachteilhaften Position verwandelte!
Ein erfahrener Schachspieler ist sich seinen Möglichkeiten immer bewusst, auch wenn es schon sehr schwierig steht! – doch was nach dieser respekteinflößenden Anfangsphase von nachziehender Seite folgte war mit Sicherheit nicht im Erwartungsbereich unseres Spielers..
Man möchte fast schon von Überschwenglichkeit sprechen als der Lappersdorfer mit auf c2 eindringender Turmbatterie die Weiße Dame stellen wollte – denn Helmut bedankte sich sofort für den damit direkten Springerverlust seines Gegners, und nach wenigen Zügen durfte er sich dann auch noch der Dame für einen Turm bedienen! Ein Schock für jeden Schachspieler, der sich mit einem solchen Fauxpas im Rahmen einer Sonntagspartie auseinandersetzen muss..
Für den Bavarianer war der gewaltige Materialvorsprung nun leicht zu verwalten und durfte sich anschließen über einen Sieg unter dem Motto: „Chance genutzt“ freuen!
Nach in dieser Saison schon häufig für uns unglücklich verloren gegangenen Partien ist es nun sehr erfreulich auch mal wieder ein Geschenk empfangen zu dürfen.  1:0

 

Brett 2    Heinrich Boldt (1727) – Jürgen Brassat (1551)
Eine Indische Partie (1.d4 Sf6 2.Lf4 c5 3.e3 cxd4), welche beiderseitig berechtigter Weise keinen Sieger fand, denn trotz einem über eine lange Strecke bestehendem Edgegame (andauerndes Spiel in leicht stärkerer Position)  des Nachziehenden,  wusste sein Kontrahent immer die richtigen Mittel um das Spiel in sicheren Gewässern zu wahren, wobei keiner dem anderen hier etwas schenkte! – BIS auf einen Moment, den ich zufälligerweise in diesem Moment am Nachbarsbrett erblickte:

Weiß verliert hier kurzzeitig den h4 Bauern, wissentlich ihn anschließend  durch Sf3 mit dem Gewinn des e5 Bauern kompensieren zu können – aber damit wäre der strategische Ausgleich nicht getan! Verwundert blickte ich bereits nach Dxh4 aufs Brett, ob Schwarz hier nicht eine durchaus dominierende Stellung herausbekommen könnte, denn intuitiv gefiel mir Weiß hier nicht..
Nach Dxh4 Sf3 Dh5! ist Weiß gezwungen, die Damen auf d5 abzutauschen, falls er nicht mit einem Minusbauern weiterspielen will. Denn auf Sxe5 folgt Se8 und man wird schnell merken, was der Anziehende hier angerichtet hätte! Nach korrektem Damentausch wäre das Endresultat eine hoch wirkungsvolle Angriffsbatterie auf den Damenflügel Le6, Lg7 und der Springer, welcher mit seinem Bewegen dadurch weiteren Druck erzeugt!
Der Computer bewertet in dieser theoretischen Fortsetzung wie so oft nüchtern mit nicht einmal einem Plusbauern für Schwarz in seiner Evaluation. Aber aus menschlicher Sicht wäre die Chance, hier als Weißer strategische Feinheiten zu verpassen, deutlich höher!  ½ – ½ 


Brett 1    Martin Kestler (1726) – Dr. Robert Weber
(1792)
Mein Nimzo-Larsen System (Sf3 b3 Lb3 e3) durfte sich diesmal gegen einen klassischen Pirc Aufbau (Sf6 g6 Lg7 d6) beweisen, welches ich in vielen Blitzpartien bereits austesten und studieren durfte. So entschied ich mich aufgrund des systemtypisch soliden schwarzen Zentrums, größere Aufbruchsversuche der Gegenseite mittels dem vorsichtigem Öffnen der A Linie zu umgehen und behielt an den anderen „Fronten“ die Initiative im möglichen Konterspiel.
Im folgenden Verlauf kristallisierte sich immer besser heraus, dass ein Sieg in der Beständigkeit einer rotierenden Dame liegt und in Kombination mit meinen Springern den rückständigen Zentrumsbauern so zu attackieren, dass ich immer mit mehr als nur mit einer Idee drohe und dadurch die Verteidigung aushebeln kann. Dank gutem Konzentrationsvermögen, das mir an diesem Tag zur Verfügung stand, konnte ich mein technisches Wirken fehlerfrei spielen und durfte mich dann über folgende Schlusstaktik freuen mit der ich die direkt anschließende Aufgabe meines Kontrahenten einleitete:

Weiß am Zug gewinnt!  1 : 0

 ENDSTAND 3 : 5

Diesmal waren Form und Umstand für unser verpasstes Mannschaftsremis oder einen durchaus möglichen Gesamtsieg ausschlaggebend. Wenn die Lage stimmt kann die 4. Mannschaft gegen jedes Team in dieser Bezirksliga mithalten, somit viel Erfolg für kommenden Sonntag!

Ein Gedanke zu „SC Bavaria 4 – TSV Kareth/Lappersdorf 3“

  1. Lieber Martin,

    prima Bericht! Man hat das Gefühl live dabei zu sein! 🙂

    Weiter so!

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