Parik Training am Freitag – süper!

Was wird uns wohl heute von Parik kredenzt werden? Das fragen sich die 15 Teilnehmer. Zu meiner großen Überraschung: Die Lasker (Pelikan) Variante in der Sizilianischen Verteidigung? Echt jetzt. Sie wird auch Sveshnikov-Variante genannt und beginnt mit den Zügen 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5. Lange Zeit galt sie als schlecht, da Schwarz mit seinem letzten Zug die Felder d6 und d5 geschwächt hat.

Nach 6. …d6 hat Weiß verschiedene Möglichkeiten. Parik führt aus, dass der kritische positionelle Zug seiner Meinung nach 7.Lg5! ist.

Aber auch das positionelle 7.Sd5 ist interessant und strebt eine Veränderung der Bauernstruktur an.

Mit 7.Lg5 spielt Weiß indirekt auf das Feld d5 und möchte die einzige Leichtfigur, die niemals darauf stehen kann, gegen eine tauschen, die dieses Feld verteidigt, um so ein Übergewicht auf den weißen Feldern zu erreichen. Nach 7 … a6 8.Sa3 b5 sieht man aber auch schon die schwarzen Vorzüge. Die weißen Springer stehen furchtbar und es droht eine Gabel auf b4.

Es gibt nun zwei sehr wichtige Hauptvarianten. Weiß kann jetzt entweder direkt auf f6 schlagen oder erst 9.Sd5 spielen. Parik hat uns Musterpartien dazu herausgesucht: Topalov gegen Carlsen, Abidjan 2019 Blitz (13) und Leinier D.P. versus Carlsen, St Louis 2019 (16) Blitz.

Der Springerzug 9. Sd5 führt zu etwas ruhigeren Stellungen und Schwarz kann nach Le7 10.Lxf6 Lxf6 11.c3 entweder rochieren oder mit 11. …Se7 12.Sxf6 gxf6 etwas mehr Dynamik in die Stellung bringen.

Parik zeigt uns nun, dass in der Hauptvariante nach 9.Lxf6 Schwarz gxf6 folgen lassen muss, da Schwarz nach 9. …Dxf6 nach Sd5 wieder zurück nach d8 ziehen muss und dann Ideen mit 10.c4 folgen. Das dynamische Potential in der Stellung ist fulminant.

Nach 10.Sd5 bekommt Schwarz jetzt nach f5 eine recht bewegliche Bauernmasse, die zusammen mit dem Läuferpaar tolle Angriffsmöglichkeiten eröffnet. Der schwarze König hat mit einem Läufer auf g7 auch nach der kurzen Rochade keinerlei Probleme.

Vielleicht hätte hier noch mehr zur Idee des Damenangriffs Dh5 gesagt werden sollen. Doch das würde den Rahmen des Trainingsabends sprengen. Wir sollten uns nicht zu sehr in Diskussionen verstricken, denn dann droht immer, dass der eine oder andere gedanklich aussteigt, weil man den roten Faden verloren hat. Wer mehr dazu sucht, findet in der Partie Leko – Kramnik, Linares 2004 ein schönes Muster.

An Aktualität fehlte es keine Sekunde in Pariks Ausführungen. Zur selben Zeit lief noch die Partie Mariya Muzychuk gegen die agierende Weltmeisterin Ju Wenjun. Auf dem Brett hatte Muzychuk die Variante 11.g3 als Fortsetzung gewählt und großen Vorteil erlangt. Auf Chessbase.de kann heute am 07.03.20 diese Partie bestens kommentiert nachgespielt werden.

Zum Schluß gab es ein Handout. Wer nun mit diesen Unterlagen in der Hand den Abend Revue passieren läßt, die Strukturen nachvollzieht, der kann gleich mit der Laker-Pelikan-Sveshnikov Variante im Silzilianer loslegen. Danke Parik. Großes Kino!

Insgesamt wieder ein phantastischer und gelungener Schachabend. 

Ein Gedanke zu „Parik Training am Freitag – süper!“

  1. Lieber Jürgen!

    Sehr gelungener Bericht! Einfach super! Weiter so!

    Wer jetzt noch einem Training von Parik fern bleibt, ist selbst schuld! 🙂

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