SG Post Süd Regensburg II – SC Bavaria Regensburg III 3,5 : 4,5

Am 01.03.2020 bestritt unsere dritte Mannschaft in der Bezirksliga Süd das Derby gegen die zweite Mannschaft des „Stadtrivalen“ Post-Süd Regensburg. In vorhandener guter Besetzung durften die Ambitionen auf einen Sieg mehr als „realistisch“ eingeschätzt werden. Dennoch war jedem klar dass dies kein „Kaffeeschach“ werden würde.

Die Aufstiegschancen sind nach wie vor vorhanden und dürfen bis zum letzten Spieltag als gegeben betrachtet werden, solange die Punkteausbeute aus den letzten 3 Spielen bei 100% bleibt! Im Restprogramm von Hauptaufstiegskonkurrent befinden sich noch zwei Mannschaften mit Parsberg und Kelheim III, welche in guter Verfassung und Besetzung dem aktuellen Ligaprimus noch einen Punkt abtrotzen könnten – es bleibt spannend:

 

Brett 8           Nils Menninger (1475) – Sergey Pavlov (1562)

Die „moderne“ französische Verteidigung (1.e4 e6 2.d4 b6 3. Sf3 Lb7) war die Wahl von Sergey, welche ich als „modern“ bezeichne da sie der klassischen modernen Verteidigung (Aufbau g6 Lg7 d6) symmetrisch ähnelt UND zudem ein aktuelles Thema der französisch spielenden Schachelite ist! Sowohl Supergroßmeister Hikaru Nakamura, als auch deutscher Top Großmeister Georg Meier haben hierzu große praktische Erfahrungen in Brett- und Online Partien.

Der Bavarianer manövrierte nach entstandener Vorstoßstruktur den Springer nach f5, wodurch er sich sowohl die nötige Königssicherheit, als auch einen wirkungsvollen Vorposten erspielte. Nun ging es aus sicherer Position mit Kraft auf den Damenflügel wo sich Weiß mit strategisch problematischer Verteidigung selbst ein Bein stellte und musste sich nach folgenschwerem Bauernverlust über ein paar Umwege überspielen lassen.

Der spielentscheidende Ausschnitt der Partie: Trotz nach korrektem Dd3 ist die Situation für Weiß chronisch unangenehm, da nun Sa5 folgt und nach erzwungenem b3 sich der zweite schwarze Springer einen Vorposten auf c4 erarbeitet hat! Die Wahl in der Partie fiel jedoch auf b4?? Und ignoriert damit die Drohung eines Bauerngewinns, was den Zusammenbruch der eigenen Stellung unvermeidlich macht.

Eine technisch klare Vorstellung von Sergey, der trotz ein paar „Selbsterschwernissen“ in der Endspielphase NIE den vollen Punkt aus den Augen lies. 0-1

 

Brett 7           Jannik Wittmann (1641) – Lorenzo Barca (1969 FIDE Elo)   0-1

Diese Partie war leider auf Grund der verspäteten Berichterstattung nicht mehr rekonstruierbar.

 

Brett 6           Mujo Palamar (1674) – Martin Rösl (1686)

Martin erlebte eine eher selten anzutreffende Variante der Grünfeld Verteidigung:
Den Brinckmann Angriff (1.d4 Sf6 2. C4 g6 3. Sc3 d5 4.Lf4) – oder wie ich es gerne bezeichne: Der „Grünfeld Londoner“
Namensgebend durch seinen „Londoner Läufer“ verspricht diese Variante anders als im klassischen Londoner System eine scharfe Speerspitze gegen womögliche frühe Ungenauigkeiten im schwarzen Entwicklungsspiel!
Darum hat Martin hier vernünftiger Weise mit 4..c6 fortgesetzt um sich seiner eigenen Stabilität sicher sein zu können.
Schwarz behält in slawischen Strukturen oft ein Minus in der Figurenaktivität, darum war in dieser Partie das übliche Aufbruchsmittel auch hier die praktische Vorgehensweise – was aber in diesem speziellen Fall suboptimal , wenn nicht sogar leicht problematisch für den Nachziehenden wirkt!

Das riskante dxc4 wurde jetzt gespielt, was Weiß hier nicht nur leichte Entwicklungshilfe verschafft, sondern auch einen unverzüglichen Bauernvorstoß nach e4 ermöglicht! Besser wäre hier der schwer zu erwägende Lockungszug Le6 mit der Idee nach Sg5 Lf5 folgen zu lassen, um g4 zu provozieren, damit Schwarz mittelfristig eine Gegenspielidee am Königsflügel bekommt – aber WER spielt das schon.. Eine menschlich anzusehende Alternative ist simples Db6 in der Diagrammstellung, da der statische Vorteil des Anziehenden nur wenige Abwartezüge vorweist.
Es begann ein Spiel auf ein Tor das Martin sehr solide im „gelb-orangen“ Bereich hielt um die Geduld und die taktischen Fähigkeiten des Gegners zu neutralisieren. Das gelang ihm sehr gut, worauf nach langem Ringen die Schlussstellung ein glattes Remis verzeichnete. ½ – ½

 

Brett 5           Hans Peutler (1691) – Ralf Smekal (1810)
Englisch gegen Holländisch(Anglo-Dutch Eröffnung: 1.c4 f5 2.Sc3 Sf6 3.g3 e5 4.Lg2 c6 5.d4) hieß es in der Partie von Hans, als er mit angenehmer Aktivität das Zentrum früh öffnete und im Gegensatz zum Gegner bereits fast allen Figuren eine offensive Position verschaffte.

Obwohl der Nachziehende sowohl mit Raumproblemen, als auch nach dem Damentausch mit strukturellen Schwächen umgehen musste, finden wir hier eine klassische „Igelstellung“ vor!
Weiß hat ein klares positionelles Plus. Aber leider nur im statischen Sinne! Solange Schwarz sich hier keinem Zugzwangproblem hingeben muss, verbleibt die frustrierende Situation, dass Weiß sich eingestehen muss, dass sein Angriffspotenzial eine ebenso starke zerbrechliche Note besitzt!
Denn weder exf5 nebst Lxc4 macht Sinn (erschwert die Lage sogar durch nun mögliches d5!), noch ist Zeit für stabilisierendes b3, da fxe4 bereits Schwarz eine vielversprechende Partie bietet.
Eine absolut gerechtfertigte Remisvereinbarung nach nur 12 gespielten Zügen brachte dann die Punkteteilung. ½ – ½

 

Brett 4           Christian Wltscheck (1852) – Erkan Hadzhimustafa (1690)
Der Österreichische Angriff (1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 g6 4.f4 Lg7), die wohl schärfste Eröffnung im Pool der Pirc Verteidigung kam bei Erkan aufs Brett.
Der Nachziehende ließ korrekter Weise den Aufbruchsversuch des weißen Bollwerks mittels frühem c5 folgen, worauf nach anziehendem d5 die erneute Gegenantwort mit e6 eine halboffene Stellung mit beiderseitigem geschwächten Königsflügel entstand die ein Remis auf Dauer als höchst unwahrscheinlich darstellt!
Das seidene Geflecht entpuppte sich als „Schlachtfeld“ für taktische Manöver und Abtäusche, das aber trotz begünstigtem Weißen Spiels in der frühen Endspielphase in einer strategisch vorteilhaften Stellung endete! Denn der Bavarianer durfte die Dame des Anziehenden für das eigene Turmpaar vom Brett nehmen.

Nun war Springerakrobatik angesagt! Mit Dame und zwei Springern war ein offenes und dynamisches Spiel für den Nachziehenden die beste Wahl um auf Sieg zu spielen. Darum erzwang Erkan ohne Umwege die Öffnung der königlichen Bauernstruktur um nun mit gefundenem „Killerzug“ De3! (DIAGRAMM) die Zugauswahl des Gegners immens minimierte, welcher dann in Kürze einbrach und ein Matt nicht mehr verhindert werden konnte!
Eine technisch starke Leistung von Erkan.  0-1

 

Brett 3           Dominik Sammet (1748) – Dr. Daniel Depner (1959)  0-1

Diese Partie war leider auf Grund der verspäteten Berichterstattung nicht mehr rekonstruierbar.


Brett 2           Holger Werner (1907) – Marie Oberhofer (1852)
Marie sah sich dem durch die Schachgeschichte und dem aktuell in diesem Bereich führenden Experten und britischen Großmeister Gawain Jones  äußerst bekannten Grand Prix Angriff (1.e4 c5 2. Sc3 Sc6 3.f4) gegenüber.
Schwarz nutzte in der Eröffnungsphase seine Defensivressourcen optimal und ging nach der Rochade in den sicheren Angriff auf den Damenflügel über worauf sich die Nachziehende über folgende Stellung im 19. Zug freuen durfte:

Zwei interessante Fortsetzungen bahnen sich hier an – und das mit dem selbigen Bauern!
19..f5 oder 19..f6 bringen Schwarz das größtmögliche Angriffspotential, da Weiß trotz einiger auf den schwarzen Königsflügel gerichtete Figuren keine konkreten Motive einer Drohung aufzeigen kann.
Marie entschied sich hier nachvollziehbarerweise für die menschlichere Idee, den Läufer über e4 (Drohung Lxc2!) auf die Gegengerade zu bringen wodurch sich für Schwarz eine standhafte Verteidigung mit vorhandener Aktivität ergab.
Die Beendigung dieser Situation durch eine Remisvereinbarung war auf Grund der beiderseits stellungsbedingten durchsetzungsarmen Möglichkeiten eine verständliche Entscheidung. ½ – ½

 

Brett 1           Alexander Ließ (1915) – Dr. Matthias Langensteiner (1968)
„Stille Wasser sind tief“ – trifft auf die Spielweise von Alex definitiv NICHT zu!
Im Damen Inder (1.d4 e6 2.c4 Sf6 3.Sf3 b6) deutete schon in der Eröffnungsphase nichts darauf hin dass es der Bavarianer langsam angehen lassen will, was aber gleichzeitig in keinster Weise bedeutete dass  die beständigen taktischen Versuche von Alex ihm mittelfristig keinen Vorteil bescherten!
Für ein frühes taktisches Bauernopfer erlangte der Anziehende Entwicklungsvorteil, als auch Raumvorteil und einen gefährlichen Königsangriff. Im Zeichen von Alpha Zero (Top Schach Computer) zog er die Schlinge (aber ohne h4! 😉  ) um den schwarzen Monarchen immer weiter zu, bis er sich schon vor dem 30.Zug in einer gewinnträchtigen Endspielstellung wiederfand.

Hier schlug der Anziehende mit Springer auf g6 und besiegelte damit die technischen Remischancen des Gegners!
Der nachfolgende Vorgang war zusammengefasst ordentlich zu Ende geführt.
Zurück bleibt eine Partie auf die man nur stolz sein kann. Spitzenschach vom Spitzenbrett! 1-0

Zum Zeitpunkt des Berichtsabschlusses steht noch nicht fest, wie die nun seit 2 Monaten unterbrochene Saison weiter geführt wird. Dennoch ist bereits jetzt eine vielversprechende Saison unserer dritten Mannschaft erreicht und kann gegebenenfalls auch in der darauffolgenden Spielzeit den Aufstieg als höchst realistisch prognostizieren!

Bericht von Martin Kestler

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